grunder perren I Kunst- und Kulturraum, Galerie Adligenswil, Luzern, Dimitri

es grünt so bunt – mit Brigitte Steinemann, Christian Rüetschi und Daniel Eggli

16. Mai 2019 bis 27. Juni 2019


Brigitte Steinemann, Christian Rüetschi, Daniel Eggli

Endlich Farbe! So spontan uns der Sommer in seiner Buntheit berauscht, so beständig spielen Farben in der Kunst eine grosse Rolle. Brigitte Steinemann (Keramik), Christian Rüetschi (Malerei) und Daniel Eggli (Skulpturen) geben uns mit ihren Sommer-Interpretationen eine komplett neue Sichtweise auf Kunstwerke, die aus dem Handwerk heraus entstehen. Farbe ist dabei ordentlich mit im Spiel.

z s u z s a’ s grunder perren spielt in der mehrschichtigen Installation mit der Grenze zwischen Kunst und Kunsthandwerk, wobei Letzteres Kraft seiner Intensität zu Ersterem wird.

Steckt die Kunst in der Natur oder liegt es in der Natur der Kunst, uns mit Schönem zu umgeben? Die üppige Sommertafel von Brigitte Steinemann rührt an diese Frage. Die Luzerner Keramikerin lotet seit Jahren die Spielarten der Keramik aus: heiter, verspielt, unbeschwert gibt sie ihr eine eigene Handschrift und erhebt damit das von der Pieke auf gelernte Handwerk zur Kunst. Ihre formschönen Objekte nehmen den Dialog mit dem Menschen auf. Sie scheinen uns an etwas zu erinnern und sind doch neu, anders und eigen – als fänden Funktion und Fiktion zusammen. Das keramische Blumenbeet ist seit Jahren ein Lieblingsthema von Brigitte Steinemann. Ihre aktuelle Tischinstallation verdeutlicht den Formwechsel der Keramik vom Accessoire zum Kunstwerk.

Christian Rüetschi wagt sich an zwei Tabus: Schönheit und Blumen – beide sind sie verdächtig in der Kunst. Und doch gelingt es dem Textildesigner, mit kräftigen, wilden Strichen eine surreale Sinnlichkeit zu erzeugen und damit zwischen Naturbezug und Abstraktion zu vermitteln. Seiner Grossmutter’ Garten hat seine Empfindungen geprägt; heute ist es die tägliche Auseinandersetzung mit Stoffen: Als Verbindung von Erinnerung und Inspiration malt er energiegeladene Blumenbilder auf Resten von Leinenstoffen, die zu Collagen verklebt sind. Der scharfe Fokus wird durch die Farbmaterialien fokussiert: Das Überlagern von Textilfarben und Acrylfarben schafft eine lebendige Tiefe: Kraft, Blühen, Zerfall rücken uns als Metapher ans Leben näher. Christian Rüetschi zeigt seine Werke erstmals in der Zentralschweiz.

Daniel Eggli findet seine Motive im Alltag. Der Holzbildhauer, die Entdeckung des Jahres an der Bad Ragartz 2016, porträtiert mit der Kettensäge Frauen, Manager und Geschäftsleute am Puls der Zeit, dynamisch, geistreich, ironisch. Eggli verleiht seinen Figuren mit seinem minimalistischen Schnitt grosse Ausdrucksstärke. Mit Witz überträgt er seine Beobachtungen auf die Figuren, wobei die Kettensäge ihn davon abhält, sich in Details zu verlieren. Doch wenn er eines kann, dann dies: Aus simplen Konturen und ineinander spielenden Oberflächen lebensechte und liebenswerte Figuren zu schaffen, die in der Leichtfüssigkeit des Sommers erst recht aufblühen.

Susanne Perren, P S Texterei, Mai 2019

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